aus „Der Flug der Feier“ von Claudio Rodríguez

November

Wieder kommt November, der Monat, den ich am meisten liebe,
weil ich sein Geheimnis kenne, weil er mir mehr Leben gibt.
Die Güte seiner Luft, die Gesang ist,
fast Offenbarung,
und seine so heilsamen Morgen,
seine gierige Zärtlichkeit,
sein liebenswertes Fürsichsein.
Und eine Straße finden in einem Mund,
ein Haus in einem Körper, während, so vergänglich,
mit der Melodie des verlorenen Ehrgeizes
die Kastanien und die Spinnweben fallen.

Diese Kastanien, in gelblichem Ocker,
sicher, aufgebrochen, geben mir Freiheit
neben dem schattigen Zittern ihrer Schale.
Die Spinnweben, mit ihrer so listigen
und klebrigen Geometrie, und
auch mit ihrer Stille,
mit ihrem dunklen Pulsen
wie das der Koralle oder das zartere
des Schwammes, oder das des Pinienzapfens,
des offenen,
oder des Herzens, wenn es schlägt ohne Tyrannei, wenn
es wieder zum Leben erwacht und sich läutert.
Nach so langer Zeit ohne Liebe, dieser Morgen,
wie rettend. Welch
inniges Licht. Es dringt in mich und schenkt mir Musik
ohne Pausen
im selben Moment, in dem ich dich liebe,
in dem ich mich dir voll Freude hingebe,
bebend und ungeduldig,
ohne auf die Tür zu sehen, wo der Abschied ruft.

Wieder ist November. Fern liegen die Tage
der kleinen Träume, der welken Küsse.
Du bist der Monat, den ich liebe. Daß mich nicht im Dunkeln lasse
dein gieriges Licht, vergeßlich und grauviolett,
während der Winter kommt.

© 2007