Nikabra-Rätsel 2020

Liebe Freunde und Nikabristen,

in diesem Jahr, so finde ich, braucht es eine besondere Dosis an Freundlichkeit!
 
Deshalb möchte ich, ganz back to the roots, euch dazu einladen, selbige am Nikabratag (oder selbstverständlich auch an jedem frei von euch gewählten Tag, oder überhaupt an jedem Tag) großzügig rund um euch herum zu verstreuen und zu versprühen! Aus diesem Geist – jemand anders eine Freude machen! -, ist mir noch zu meiner Schulzeit die Idee mit Nikabra zugeflogen (nachzulesen hier  inkl. Überblick über Vorjahresrätsel); in dieser Tradition erfreue ich mich selbst Jahr für Jahr mit meinem Rätsel-Versand und an eurem kreativen Mittun, und so könnten wir in diesem Jahr gemeinsam eine richtig schöne Welle starten – also, macht mit, werdet ein Tropfen oder meinetwegen auch ein richtiger Eimerguss in dieser freundlich wallenden Flut und schaut, wen ihr mit unverhoffter Aufmerksamkeit überschwappen mögt! (Nur bitte niemanden „in Komplimenten ertränken“, wie mein inzwischen jugendlicher Mitbewohner manchmal befürchtet … na, ich vertraue darauf, dass ihr die Dosierung hinbekommt!)
 
Weil ich trotz dieses Aufrufs, der in diesem Jahr eher zentrifugal in die Welt zielt und möglichst viele beglücken möge, nicht ganz auf Rückmeldung von euch verzichten möchte, hier die Einladung zum Kreativ-Teil: Erzählt von einem Akt der Freundlichkeit, der euch selbst widerfahren ist, den ihr beobachtet habt, oder, warum nicht, den ihr euch wünschen würdet und bislang nur in der Phantasie ausgestaltet habt, gern auch in ganz großer Skala. Ich reihe alle Beiträge zu einem Potpourri der Freundlichkeit und reiche sie dann an euch weiter.
 
Unter allen, die mitmachen, verlose ich 2x etwas, das ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird.
 
Für den Wissens-Teil und für die Profi-Rechercheure unter euch, hier diese Frage: Betrachtet man die Wortherkunft für „Freundlichkeit”, stößt man nach einigem Herunterbrechen auf ein erstarrtes Partizip und schließlich auf das Wörtchen „frei”. Wie erklärt sich dieser Zusammenhang, bzw. was ist das Bindeglied?
 
Für die richtige Lösung (plus Losglück!) gibt es das sehr hübsche Buch „The Art of Stillness//Die Kunst des Innenhaltens” von Pico Iyer zu gewinnen, je nach Wunsch im englischen Original oder in der deutschen Übersetzung von Irmengard Gabler.
 
Einsendeschluss ist wie üblich am 5.12.2020 um 12.00 MEZ.
 
Lasst es euch gut gehen in diesem letzten Monat des Jahres (und darüber hinaus!), seid freundlich – zu anderen, aber bitte auch zu euch selbst!

 

Ich wünsche allseits frohes Nikabra, und einen schönen und freundlichen Tag!

Und danke allen sehr herzlich, die sich beteiligt haben oder mir nur so ein paar freundliche Worte geschrieben haben!
Im Kreativ-Teil ist eine hübsche Sammlung von kürzesten bis ausführlichen Momenten der Freundlichkeit zusammengekommen – wer mag, kann mir gern auch noch im Nachhinein etwas schicken, ich mache ohnehin noch ein Update des Freundlichkeits-Folders, weil meine liebe Freundin Neva mir last minute eine sehr schöne, bibliophile, länderübergreifende Geschichte auf Spanisch geschickt hat, die ich noch für die Allgemeinheit ins Deutsche übersetzen möchte. Würde mich freuen, wenn die gesammelten Tropfen eine positive Erinnerung für die „schlimmen Tage” sein könnten, wie es in einem Text heißt!
Unter allen Einsenderinnen und Einsendern war das Losglück Elke Kindermann und Annegret Arnold hold, ihr bekommt bald Post von mir!
Für die Auflösung des Wissens-Teils möchte ich das Wort gern an Hans-Werner Greß übergeben, der es so schön formuliert hat, dass ich dem kaum etwas (s.u.) hinzuzufügen habe:
Freundlichkeit stammt von dem mittelhochdeutschen Vrîunt-lîcheit ab.
„vrîunt“ ist ein Verwandter, d.h. jemand aus dem Kreis der Lieben, und „lîcheit“ bedeutet „Gleichheit“.
Freundlichkeit bedeutet also, jemanden wie einen Verwandten und Gleichen zu behandeln, also nicht zu kämpfen und zu streiten. 
Auch das deutsche Wort „frei“ stammt vom mittelhochdeutschen Wort „vrî“  ab, und dieses wiederum vom althochdeutschen „frî“, was in der germanischen Rechtsordnung ursprünglich bedeutete „zu den Lieben (zur eigenen Sippe) gehörend“. Wer zur Sippe gehört ist geschützt und braucht nichts zu befürchten. Das Bindeglied zwischen frei und freundlich ist somit das Wort lieben. Man könnte auch sagen, wer liebt (oder geliebt wird) ist zugleich frei und freundlich.
(Die indoeuropäische Wurzel für das Bindeglied „lieben, gern haben, schonen” lautet prai- bzw. prî-, und fyi: auf Bulgarisch heißt „Freund” priyatel)
Dafür gibt es 1x Pico Iyer, und ein weiteres Exemplar geht an Margarita Ruby, für ihren – zulässigen! – Mix-Beitrag, der Kreativität und Wissens aufs freundlichste zusammenbringt:
Freund wie auch Feind
erstarrten angesichts
undosierter Komplimente.

Zwar wollten sie gern
geschützt werden, geschont
und auch gern gehabt.

Doch führt zu viel der Liebe
eher zu Friedhof
als zu Frieden.

Es steht ihnen andrerseits
frei, darin zu ertrinken
oder auch zu baden.

Außerdem bekommt Carlo Ruby einen Sonderpreis, weil er mich mit seinem spontanen (und etymologisch untermauerten) mündlichen Vortrag rund um Freude, Frei-Sein und Freundlichkeit in Schule und Alltag sehr erfreut hat.
Kommt alle gut durch den Winter, und bis spätestens nächstes Jahr zu Nikabra!
Herzlichst, 
und mit freundlichen Grüßen
Silke
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